Frauentag – Infos und Gedanken

Wie kam das eigentlich mit dem Frauentag?

Auch diese Jahr wird am 8. März der internationale Frauentag gefeiert. Hier kurz ein historischer Überblick, weil ich es einfach spannend finde!

Es begann in 1909

mit einer Demonstration von Frauen in den USA, an dem es um ihre Gleichberechtigung ging, insbesondere das demokratisches Wahlrecht für Frauen. Zum gleichen Thema, zur Erreichung des Wahlrechtes der Frauen fand der erste internationale Frauentag dann zwei Jahre später 1911 in Kopenhagen statt. Während des 1.Weltkrieges wurde der Tag inhaltlich zusätzlich zu einem Aktionstag gegen den Krieg. Da in 1918 das freie Wahlrecht auch für Frauen eingeführt wurde, war damit in Deutschland zunächst dieses Ziel erreicht. Die Bewegung ruhte.

Erst 1926 gab es in Deutschland wieder einen Frauentag,

bei dem die Frauen Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge, eine Senkung der Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und den legalen Schwangerschaftsabbruch forderten. Zwischen 1933 und 1945 war der Frauentag offiziell verboten. Stattdessen wurde der Muttertag, der dem nationalsozialistischen Frauen- und Mutterideal eher entsprach, in den Rang eines offiziellen Feiertages erhoben.

1946 nach Kriegsende

wurde in der DDR der Internationale Frauentag zum 8. März wieder eingeführt und war dort fest verankert. In Westdeutschland veranstalteten Sozialdemokratinnen zwar seit 1948 wieder Frauentage, doch ging die ursprüngliche Bedeutung dieses Tages allmählich verloren. Hier ging es vor allem um das Thema Frieden und den Kampf gegen die Wiederbewaffnung. Nach der Wiedervereinigung begannen erst 1993 wieder Frauengruppen in Ost und West diesen Tag im Sinne der Einforderung von (verlorenen) Frauenrechten zu nutzen.

2019 Bundesfrauenministerin Franziska Giffey forderte „Parität im Parlament“ für gleichwertige Geschlechterquoten auf Wahllisten und bei Abgeordnetenmandaten zu gewährleisten. Auch ein Bericht der Interparlamentarischen Union zum Thema „Sexismus, Belästigung und Gewalt gegen Frauen in Parlamenten in Europa“ erschienen.

2020 wurde im Land Berlin durch die rot-grüne Landesregierung der „Frauentag 8. März“ als gesetzlicher Feiertag festgelegt.

International wurde im Rahmen der Frauentage zunehmend wichtige Themen zur Beendigung von Unterdrückung und Gewalt an Frauen aufgegriffen, wie die Verbesserung der Bildung von Mädchen, gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit, sowie das klare Nein zu weiblicher Genitalverstümmelung und Kinderheirat. Es gab viele Apelle, die andauernde Unterdrückung, und die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Die meisten großen Demonstrationen am Frauentag finden in Lateinamerika statt, wo vor allem gegen die hohe Zahl von Frauenmorden protestiert wird.

Gedanken dazu

Wenn man so hört, was noch immer in der Welt passiert und wieviel Unterdrückung und Gewalt nach wie vor geschieht, kann man wirklich dankbar sein, hier in Europa zu leben. Allerdings gibt es nach wie vor auch bei uns erschreckend viele sexuelle Übergriffe im Berufsleben und häusliche Gewalt an Kindern und Frauen. Ja, auch hier bei uns ist vieles noch lange nicht im Gleichgewicht. Allein das Gender Pay-Gap beträgt hier in Deutschland 16% – und was die jahrhundertelange Prägung der Unterordnung in uns Frauen noch immer subtil bewirkt, kann jede Frau in sich selbst entdecken, die sich immer wieder wundert, warum es ihr so schwerfällt, an sich selbst zu glauben, sich Erlaubnis zu erteilen, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen oder gar als Frau kraftvoll  und weiblich zugleich zu sein – da haben wir noch eine Wegstrecke vor uns!

Was für Frauen in den letzten Jahrhunderten “Normalität” war, ist durch viele mutige Frauen, die sich nicht in die Strukturen gefügt haben, immer mehr ins Wanken geraten. Wir sind auf dem Weg, diese überalterten und kranken Vorgaben zu verlassen und dürfen es wirklich genießen, heute so viel Freiheit leben zu dürfen, wie es sie über riesige Zeiträume nicht gegeben hat – leider noch nicht überall auf dieser Welt. Da ist noch viel zu bewegen.

Mit dem Bewusstsein fängt es an. Jede Frau, die sich ihrer eigenen Kraft und Größe bewusst wird und anfängt, all ihre Gaben zu leben, ist ein Puzzleteil einer großen sich befreienden Schwesternschaft. Wir dürfen lernen, uns gegenseitig zu ermutigen, zu unterstützen und uns zusammenzutun –

Am besten machen wir jeden Tag im Jahr zum Frauentag – mit dem Bewusstsein über alles, was an Frauen wundervoll ist.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen sehr anerkennenden, wertschätzenden und liebevollen Blick auf die Frauen in eurem Leben – insbesondere euch selbst!

Von Herzen, Christel