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Das „Goldmarie-Syndrom“

Immer hilfsbereit jederzeit anpacken, wo es nötig ist – so ist sie, die Goldmarie.

Ruft das Brot im Ofen um Hilfe, dann zieht sie es raus. Wollen die Äpfel geschüttelt werden, dann geht sie hin und schüttelt. Selbstverständlich liest sie alle Äpfel sorgfältig auf und tut sie in Körbe.

Mit dieser Haltung bin ich groß geworden. Meine Mutter hat es so vorgelebt und natürlich haben wir oft das Märchen von der Frau Holle gehört als Kinder. Ja, ich fühle mich auch wie eine glückliche, strahlende Goldmarie, wenn ich für andere etwas tun kann. Und dann lasse ich alles andere stehen und liegen, was ich vielleicht sonst gerade so vorhatte.

Da ist ja auch erstmal nichts gegen zu sagen – oder vielleicht doch? Es gibt und gab schon immer Menschen in meinem Umfeld, die wussten dieses Knöpfchen sehr geschickt zu bedienen. Nur, während bei der Frau Holle ein reicher Goldsegen die Goldmarie belohnte, war mein Lohn eher Frust, denn da kam ganz oft nicht wirklich etwas Schönes zurück.

Da stand dann eine erschöpfte Goldmarie, die unglücklich war ihre eigenen Projekte nicht verfolgt zu haben und irgendwo rief immer noch jemand, der gerade mal wieder etwas von ihr brauchte.

Da stimmt doch was nicht!

Ich habe wirklich sehr lange gebraucht um zu begreifen, dass es zwar wundervoll ist, wenn ich im Flow als Goldmarie unterwegs bin, dass ich aber sehr wohl unterscheiden darf, wem ich da diene.

Vielleicht ist es dir ja auch schon so gegangen wie mir? Die Pechmarie, die tatsächlich darüber nachdenkt, ob sie sich schmutzig machen könnte oder dass ein Apfel ihr auf den Kopf fallen könnte, entscheidet sich gegen die Hilfsbereitschaft. Ihre Haltung aus Egoismus, Faulheit und mangelnder Fürsorge war für mich so negativ belegt, dass es undenkbar gewesen wäre, überhaupt solche Fragen zu stellen, geschweige denn nein zu sagen.

Und du?

Bist du auch so gut erzogen, dass du meinst als Goldmarie durchs Leben gehen zu müssen, ohne die Möglichkeit zu haben, berechtigter Weise auch mal nein zu sagen? Dann frage ich dich, ob es dir damit gut geht. Wenn ja, mach weiter so. Wenn nein, dann biete ich dir ein paar Fragen an.

Könntest du dir erlauben, inne zu halten, statt im Reflex zu handeln? Wenn das geht, frage dich, möchte ich das gerade wirklich, ist das meine Baustelle?  Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, oder sollte ich zuerst das erledigen, was ich gerade vorhatte? Fühlt es sich gut und richtig an, diesem Menschen zur Verfügung zu stehen? Wie könnte ich es schaffen mit einem guten Gefühl nein zu sagen, wenn es nicht passt?

Ich habe beobachtet, dass die Menschen, die mich wirklich lieben, meine Abgrenzung sehr gut annehmen. Umgekehrt durfte ich erfahren, dass es Menschen gibt, die kein „nein“ akzeptieren können – mein Tipp an dich: genau bei diesen Menschen solltest du darauf achten, sehr klare Entscheidungen zu treffen; auch wenn sie dich als egoistisch, lieblos etc. bezeichnen. Das kannst du lernen auszuhalten! Du wirst merken, dass du dich freier, weniger erschöpft und glücklicher fühlst, wenn du wirklich vom Herzen her entschieden hast, wem, wann und wo du als Goldmarie unterwegs sein möchtest.

Falls dir meine Gedanken gefallen haben oder dir gar ein wenig die Augen geöffnet haben, freue ich mich sehr. Schau gerne mal auf meiner Seite vorbei, vielleicht entdeckst du einen Workshop oder ein Seminar, was dich interessiert?

Herzliche Grüße,

Christel

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